Pikaia ist eine Legende. Nachdem die Gletscher der Snowball Earth vor etwa 580 Millionen Jahren zurückwichen, entstanden die drei Zweige der heute bekannten Fauna. Im Gegensatz zu den klaren Konstruktionsprinzipien der Weichtiere und der Schalentiere war Pikaia ein seltsames kleines Lebewesen. Ohne Extremitäten, um vorbeischwimmende Beute zu schnappen und ohne Außenskelett, das es vor Feinden schützen konnte, musste es zum Überleben immer in Bewegung bleiben. Es war schneller, zäher, anpassungs- und wandlungsfähiger, als jedes andere Tier seiner Zeit. Schnell entwickelten sich Unterarten, die sich ihrerseits zu neuen Ufern aufmachen und sie auch überschreiten konnten.

Das Geheimnis von Pikaia war die Chorda. Sie verband das Nervenzentrum mit allen Gliedern des Körpers. Die Chorda ist buchstäblich die Verbindung von Geist und Materie. Die Chorda erlaubt es, dass sich Gehirn und Körper unabhängig voneinander entwickeln können und gleichzeitig immer in Harmonie funktionieren. Die Chorda steht für eine dritte Ebene, eine Manifestation der Information, welche zwischen Geist und Materie vermittelt.

Und obwohl Pikaia der Urahn aller Wirbeltiere ist, lebt sie in den Leptocardii bis heute fast unverändert fort. Somit steht Pikaia auch dafür, dass ein wirklich gutes Konzept das Bestehende ebenso bewahren kann, wie es gleichzeitig Mannigfaltikeiten der Weiterentwicklung zulässt, immer wieder neue Stufen der Komplexität erreicht und dabei immer wieder in neue Sphären erschließen kann.